Trilogie der Dankbarkeit: 2. Dankbarkeit als Wertschätzung ist Gold für Deine Beziehungen

Dankbarkeit als WertschätzungDankbarkeit als Wertschätzung ist Gold für Deine Beziehungen

Stell Dir mal vor, in Deine Beziehungen und Begegnungen mit anderen Menschen würde plötzlich eine neue Freude, beschwingte Leichtigkeit, tiefes Vertrauen und gegenseitiger Respekt, vielleicht sogar eine Art Zuneigung Einzug halten.

Geht nicht, sagst Du, Du hast schon alles probiert?

  • Du bist freundlich und nett zu Deinem mobbenden Arbeitskollegen, und jeden Tag nimmt die Schärfe seiner Hinterhältigkeiten um 3° zu.
  • Du erfüllst all die Erwartungen Deines Chefs und doch hat er nicht mehr als ab und zu ein „Danke, gut gemacht“ für Dich übrig.
  • Du opferst Dich auf für Deine Kinder, hilfst ihnen, wo es nur geht und trotzdem ist es Deinem ältesten Sohn ziemlich egal, dass Du Dir Sorgen um seinen Drogenkonsum machst, die jüngste Tochter mosert andauernd rum und erklärt Dir, wie sehr ihr Dein ständiges Eingemische auf den Keks geht und der Mittlere beklagt sich darüber, dass Du die anderen Beiden immer bevorzugst.
  • Und für Deinen Partner hast Du sogar den wöchentlichen Frauenabend mit Deinen Freundinnen sausen lassen und den Volkshochschulkurs Italienisch gestrichen, nur um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können. Und doch lebt ihr nebeneinander her in einer emotionalen Kälte, die geeignet dazu wäre, die  Gefahr der weltweiten Klimakatastrophe als gelöst zu betrachten.

Es gibt ein Wundermittel

Ich hab eine gute Nachricht für Dich. Es gibt ein Wundermittel für Deine Beziehungen. Ein Düngemittel, das sie erblühen lassen wird wie ein Sonnenblumenfeld im August, einen Kraftstoff, der wie süßer Nektar einen ganzen Bienestock in freudiges Summen versetzt.

Das Wundermittel heißt- Dankbarkeit.

Dankbarkeit ist eine Feier des Lebens

Marshall Rosenberg

Bring die Dankbarkeit in Deine Beziehungen und sie werden ein Fest, ein ständiges Feiern des Lebens.

Rafael Hernandez und die Dankbarkeit

Lies, wie es Rafael J. Hernandez ergangen ist:


 

Rafael J. Hernandez arbeitete lange Zeit bei einer Agentur.

Eines Tages verlor er seinen Job. Nun ja, wenig spektakulär. Doch Rafael Hernandez reagierte nicht, wie die meisten Menschen reagieren würden, gekränkt, wütend, verärgert, frustriert. Nein. Rafael Hernandez schrieb seinem (ehemaligen) Chef einen Brief. Einen Dankesbrief. Er bedankte sich für die Chance bei dieser Agentur gearbeitet zu haben und für viele Dinge, die er dort gelernt hatte.

Über seine Ex-Kollegen erfuhr Rafael Hernandez, wie sehr sich sein Chef über diesen Brief und über die menschliche Größe, die Hernandez gezeigt hatte, freute.

Nur- davon konnte er sich im Moment auch nichts kaufen. Seinen Job war er trotzdem los. Im Moment…

Doch für Rafael Hernandez hatte seine Dankbarkeit noch nach Jahren überraschende und angenehme Folgen. Und das lag daran, dass seinen Chef diese Dankbarkeit offensichtlich sehr bewegt hat:

Jahre später, Rafael Hernandez arbeitete inzwischen bei einer anderen Agentur, wurde er erneut entlassen. Sein Ex-Ex Chef, dem der Dankesbrief noch in guter und lebendiger Erinnerung war, erfuhr davon. Er bot ihm eine Stelle an und Hernandez konnte wieder in seiner alten Agentur arbeiten. Zu noch besseren Konditionen als zuvor.


 

Dankbarkeit in Beziehungen hat die gleiche Wirkung wie sie bereits im letzten Artikel über die Wirkung von Dankbarkeit  in Deinem persönlichen Leben beschrieben ist: Sie macht auch Deine Beziehungen gesünder, lebendiger, glücklicher und zufriedener. Oder hast Du schon einmal erlebt, dass Dir jemand böse war, nachdem Du ihm aufrichtig für etwas gedankt hast, oder dass das Eure Beziehung verschlechtert hätte?

Dabei spreche ich von aufrichtiger Dankbarkeit, die dem Anderen zeigt, was in Dir lebendig ist, und nicht etwa von Lob oder Anerkennung.

Lass Lob und Anerkennung bleiben

Klingt etwas provokativ, wo doch auf jedem Managerseminar gepredigt wird, die Mitarbeiter mehr zu loben, damit ihre Produktivität gesteigert wird und jeder Lehrer lernt, lobe Deine Schüler öfter, damit ihre Leistungen besser werden.

Aber, geht es Dir nicht auch so, dass, wenn Du ein Lob oder Anerkennung bekommst, Du dem Ganzen eher etwas zwiespältig gegenüberstehst?

Wenn jemand zu mir sagt, „das hast du klasse , gemacht“, „Super, wie du das hingekriegt hast“ oder „du bist einfach ein toller Kerl“, dann fühlt sich das im ersten Moment sehr wohl angenehm an.

Und gleichzeitig sind da Zweifel, Unsicherheit, ungeklärte Fragen: Was genau, war jetzt daran so gut? Heißt das etwa, ich bin nicht so „toll“, wenn ich es anders oder etwas Anderes mache? Muss ich genau das und es genau so machen, um toll zu bleiben? Was will der, der mich lobt damit eigentlich bezwecken? Will er mich gar manipulieren?

Lob und Komplimente sind, auch wenn sie noch so positiv klingen, Urteile über andere Klick um zu Tweeten

Ein Lob gehört, genau wie Kritik, zur Kategorie „Urteil“. Beide gehören sie zur gleichen Art zu sprechen. Einer Art zu urteilen und zu verurteilen, in der der Sprecher fetlegt, was richtig und falsch, gut und schlecht ist.

Als Urteil, wenn auch ein im ersten Moment angenehmes, schreibt ein Lob oder Kompliment jemanden auf den aktuellen Zustand, auf das, was er angeblich ist oder getan hat fest.

Wer lobt hat vorher festegelegt was richtig und falsch ist

Wer lobt, hat vorher festgelegt, was richtig und falsch ist

Derjenige der gelobt wird, muss sich anstrengen, immer wieder so zu handeln, damit er immer wieder Lob erfährt. Er wird abhängig vom Lob und abhängig vom Urteil des Lobenden, und dem, was dieser für richtig oder falsch hält. Ein Lob kann das Fließen des Lebens behindern.

Ist das einer der Gründe, warum es vielen Menschen schwerfällt, ein Danke aufrichtig anzunehmen. Dass dann Sätze fallen wie, „Ach, das war doch gar nichts“, „nicht der Rede wert“, oder der Bedankte fühlt sich unwohl, peinlich berührt oder wechselt schnell das Thema.

Drücke Wertschätzung aus

Wie ist das für Dich, wenn Du zu hören bekommst: „Das ist genial, was Du da machst. Mach weiter so!“

Wie klingt es dagegen für Dich, wenn Dir jemand sag: „Du, was Du vorhin gesagt hast, das hat mir Klarheit geschenkt in einer für mich wichtigen Frage. Und darüber bin ich richtig froh. Ich danke Dir dafür:“

Wie fühlt sich das an? Kannst Du den Unterschied spüren?

Der Unterschied heißt: Wertschätzung. Wahre Dankbarkeit ist Wertschätzung. Wertschätzung für das, was der Andere gesagt oder getan hat und womit er Dein Leben bereichert hat.

Es mag sein, dass Dein Gesprächspartner am Anfang eines solchen wertschätzenden Gesprächs noch versucht ist abzuwehren. Weil wir es einfach nicht gewohnt sind, Bedürfnisse als etwas Wertvolles anzusehen und Beizutragen zur Erfüllung von Bedürfnissen als eine bereichernde Tat.

Es kann auch sein, dass es Dir schwerfällt, dem Anderen so Deine Dankbarkeit und Wertschätzung auszudrücken, genau aus dem Grund: Weil Du befürchtest, es könnte ihm peinlich sein.

Aber ich bin sicher, wenn Du bei aufrichtiger Dankbarkeit, bei dieser Art der Wertschätzung bleibst, wird Dein Gegenüber die Schönheit erkennen und spüren, und er wird seinerseits den Wunsch haben, Dir zu danken. Der Andere erfährt, wie er Dein Leben bereichert hat und wird seinerseits wieder froh und dankbar darüber sein.

Hier haben wir sie wieder, die Spirale der Dankbarkeit.

Die Verbindung, die dabei entsteht hat eine ganz andere Tiefe.

Wie kann man Wertschätzung ausdrücken?

Wie kannst Du nun die Dankbarkeit dem Anderen gegenüber so zum Ausdruck bringen, dass er Deine Wertschätzung hört, dass deutlich wird, wieso etwas für Dich eine Bereicherung ist und dass Du ihm dafür wertschätzend dankst?

Indem Du ihm mitteilst, was er getan oder gesagt hat, welches Bedürfnis sich dadurch für Dich erfüllt hat und welches angenehme Gefühl damit verbunden ist:

„Als Du mich vorhin mit einem Lächeln begrüßt hast, hab ich mich so froh gefühlt, weil ich gerne die Verbindung zu Dir spüre. Ich danke Dir dafür“

Wobei ich gar nicht glaube dass Du immer all diese Worte aussprechen musst. Ein dankbares Lächeln oder ein „Danke“, das all dies enthält, weil Du es Dir bewusst gemacht hast und es fühlst, kann die gleiche Wirkung haben.

Wenn Du das immer wieder tust, wird das Mobbing Deines Kollegen nachlassen, Dein Chef wird Dich mehr und mehr als Mensch sehen, Deine Kinder können erkennen, wie sehr Du sie liebst und Dir wünschst, dass es ihnen gut geht und Du und Dein Partner werdet eine neue Wärme und Zuneigung zueinander spüren.

Davon bin ich überzeugt. Dieser Anziehungskraft von Dankbarkeit und Wertschätzung kann sich niemand entziehen.

3 Tipps für mehr Dankbarkeit in Deinen Beziehungen

Wenn Du Dich nun fragst, wie Du es anstellen könntest mehr wertschätzende Dankbarkeit in Deine Beziehungen zu bringen, hab ich hier 3 Tipps für Dich.

1. Tu es

Wie?,  das ist doch kein Tipp, darum geht es ja schließlich in dem Artikel?

Doch, ich meine es ernst.

Wie oft denken wir gar nicht daran, jemandem zu danken, weil wir etwas als Selbstverständlichkeit erachten. Oder, wie bereits angesprochen, wir schrecken davor zurück, weil wir Bedenken haben, es könnte dem Anderen peinlich sein.

Und es gibt noch einen dritten Grund, womöglich der häufigste: Wir erachten es als nicht notwendig. Der Andere weiß doch, dass ich ihm dankbar bin.

Du kannst allerdings davon ausgehen, dass in der Mehrzahl der Fälle dem nicht so ist. Und selbst wenn, es ist eine ganz andere Qualität der Verbindung, wenn derjenige es nochmal hört.

Zum Sattwerden reicht manchmal ein Butterbrot. Streich Honig drüber und es wird ein Fest für die Sinne.

Also, denk einfach dran, Deine Wertschätzung zu zeigen. Mute Dir und dem Anderen eine anfängliche Peinlichkeit zu, Du kannst davon ausgehen, sie wird sich wandeln in Freude und Verbindung.

Und, danke trotzdem, auch wenn Du glaubst es sei überflüssig.

Ein Butterbrot macht mit Honig mehr als satt. Es macht glücklich. Klick um zu Tweeten

2. Ergänze belastende Gedanken

In seinem Artikel über Dankbarkeit beschreibt Raphael Kolic diese Methode. Wenn Dich ein Gedanke über eine Person belastet, ergänze ihn mit einem Gedanken darüber, wo Dir diese Person gut tut oder Dir Gutes tut.

Den Gedanken „Mein Mann arbeitet zu viel und lässt mich mit den Kindern alleine“,  ergänze durch den dankbaren Gedanken: „Dadurch haben wir materielle Sicherheit“.  Wenn Du Dich im Gespräch mit Deinem Partner auch dafür bedankst, wird es ihm leichter fallen, Deinen Wunsch nach mehr gemeinsamer Zeit nicht als Kritik zu hören (nebenbei: Achte allerdings darauf, dass Du diese beiden Gedanken nicht mit einem „aber“ verknüpfst. Denn ein Aber würde den Dank zerstören).

Wenn Du Dich ärgerst, „mein Kollege hat mich heut morgen nicht mal gegrüßt“, ergänze mit „sonst ist er immer der erste der mir ein freundliches Lächeln schenkt“.

Es geht nicht darum, den belastenden Gedanken, den Ärger zu verdrängen. Sondern ihn zu ergänzen durch Dankbarkeit und der Dankbarkeit eine Chance zu geben im Gewirr negativer Gedanken.

3. Sag Danke statt Entschuldigung

Eine schöne Variante von Dankbarkeit in Beziehungen ist es auch, eine Entschuldigung in Dankbarkeit zu verwandeln und dem Anderen Wertschätzung entgegenzubringen, statt Dich für etwas klein zu machen. Höre auf, Dich für irgendwas zu entschuldigen und bedanke Dich stattdessen, für das, was der andere für Dich tut.

Wie ich das meine?

Dreh das Smily um. Sag Danke als Wertschätzung statt Entschuldigung.

Dreh das Smily um. Sag Danke statt Entschuldigung.

  • Statt „Entschuldige mein Zuspätkommen“ könntest Du sagen. „Ich danke Dir, das Du so lange auf mich gewartet hast.“, wenn Du zu einem Treffen zu spät kommst.
  • Wenn Du etwas verbockt hast und Du spürst die Enttäuschung Deines Gegenübers, könntest Du sagen „Danke, dass Du an mich geglaubt hast“, statt „Sorry, ich bin so eine Enttäuschung für Dich“.
  • Wenn Du den Eindruck hast, dass Du in einer Runde viel zu viel redest, dann bring deine Dankbarkeit zum Ausdruck mit „Danke, dass ihr mir so viel Raum gebt und mir dadurch Eure Wertschätzung zeigt“, statt „Schrecklich, jetzt hab ich so viel geredet, Entschuldigung“
  • Oder wie klingt, „Danke, dass Du mich versuchst zu verstehen“ statt „Tut mir leid, ich rede so viel wirres Zeug“, wenn Dir die Klarheit Deiner Gedanken fehlt.

Spürst Du den Unterschied?

Schätze das, was der Andere für Dich tut und zeig ihm Deine Dankbarkeit und Wertschätzung für das, was er tut, statt Dich dafür zu entschuldigen, was Du tust.

Es bewahrt Dir Deine Liebe zu Dir, es erfreut den Anderen, weil er wertgeschätzt wird und es bereichert Eure Beziehung und befreit sie von Schuld und Verzeihung.

Ein schönes Cartoon dazu mit weiteren Bespielen findest Du hier.

Fazit

  • Dankbarkeit in Beziehungen hat genau wie im persönlichen Leben positive Auswirkungen. Sie bereichert die Beziehung und schafft tiefere Verbindung
  • Dankbarkeit unterscheidet sich von Lob oder Anerkennung. Lob, Komplimente und Anerkennung sind Ausdruck eines Urteils, sie führen zur Festlegung. Aufrichtige Dankbarkeit ist ein Feiern des Lebens
  • Der Schlüssel aufrichtiger Dankbarkeit ist Wertschätzung
  • Wertschätzung wird dann besonders schön und verbindend zum Ausdruck gebracht, wenn Du dem Anderen sagst, was er für Dich getan hat, was Du dabei fühlst und welches Bedürfnis sich für Dich dadurch erfüllt hat.
  • Bring Dankbarkeit in Deine Beziehungen, indem Du es überhaupt erst tust, indem Du verärgernde Momente mit Gedanken der Dankbarkeit ergänzt und indem Du Dich bei dem Anderen bedankst, statt Dich für Dein Handeln zu entschuldigen.

Kannst Du Dir vorstellen, dass Dankbarkeit Deine Beziehungen bereichert oder hast Du es schon mal erlebt? Ich würde mich freuen, wenn Du mir unten in den Kommentaren von Deinen Erfahrungen berichten würdest.

 

Ich grüße Dich mit dankbarem Herzen,

Peter

 

 

 

 

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2 Replies to “Trilogie der Dankbarkeit: 2. Dankbarkeit als Wertschätzung ist Gold für Deine Beziehungen”

    1. Liebe Gabi, vielen Dank für Deine Rückmeldung. Ich freue mich sehr, wenn ich sehe, dass ich mit dem, was ich schreibe, unterstützen kann. Ich wünsche Dir ganz viel Freude und Erfolg bei der Umsetzung. Liebe Grüße, Peter

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