Giftpfeile der Kommunikation: „Aber“

Bild zum Beitrag Aber; Bräutigam ruft verzweifelt "Ja, aber"

„Aber“.

Ein kleines, unscheinbares Wörtchen.

Sollte man meinen. Dem ist aber (!) nicht so. Denn das „Wörtchen“ hat es in sich. Es hat das Potential, deine Kommunikation zu torpedieren, Dir das Leben zu vermiesen  und sogar Dich selbst als Person in Frage zu stellen.

Warum das so ist, werden wir gleich sehen. Und Möglichkeiten dazu, wie sich die unangenehmen Konsequenzen dieses Wortes vermeiden lassen.

Vorher möchte ich Dich zu einem kleinen Gedankenexperiment einladen. Ich denke, fast jeder hat das schon einmal erlebt:

Stell Dir vor, es kommt jemand zu Dir, um Dir etwas mitzuteilen. Er beginnt seine Mitteilung mit den Worten: „Ich hab eine gute und eine schlechte Nachricht.“

Wie regierst Du darauf, was denkst Du, welche Gefühle werden in Dir wach?

Vor wenigen Minuten hat ein Gesprächspartner mir gegenüber sein Gespräch so eingeleitet. Und sofort wurden  „böse“ Vorahnungen in mir wach, ich fühlte mich  bereits durch diese Aussage schon nicht mehr richtig wohl und mein Fokus lag nahezu vollständig auf dem, was wohl die schlechte Nachricht beinhalten mag. Die gute Nachricht interessierte mich kaum.

Genau so verhält es sich mit dem Wort „aber“. An verschiedensten Bespielen in verschiedenen Situationen wird deutlich, welch einschränkende, ja sabotierende Wirkung „aber“ hat:

Die „Ja, aber“-Menschen

Da gibt es die Menschen, die immer wieder sagen „Ja, aber…“.

Ich gestehe, mir fällt es schwer, im Gespräch mit solchen Menschen nicht ärgerlich zu werden, weil ich befürchte, alles, was ich sage oder vorschlage wird nicht gehört, zumindest nicht akzeptiert. Satt Zustimmung erhalte ich den Eindruck, dass an meinen Ausführungen was nicht stimmt, dass da noch Mängel sind.
Kurz, es fällt mir schwer, in der Kommunikation mit einem „Ja, aber…“-Menschen diesem zugewandt zu bleiben.

Ja aber Mensch mit Achtung Schild vor dem Kopf

Der „Ja- aber-Mensch“, ein Mensch mit dem Achtung Schild vor dem Kopf

Jemand der ständig diesen Einwand führt, vermittelt zudem das Bild von einem, der keine Verantwortung übernehmen will, einem Bedenkenträger, der oft ein Vorwärtskommen verhindert.

Er gleicht dem schlechten Ingenieur in dem Spruch:

„Was ist der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ingenieur? – Während der Schlechte noch dabei ist zu beweisen, dass es nicht geht, hat der Gute es bereits gebaut.“

(Einen schönen Nachruf auf Ja, aber, das vor Längerem offensichtlich gestorben ist, findest Du übrigens hier )

„Aber“ macht unglaubwürdig

Ein anderes Beispiel, eines, das in letzter Zeit oft zitiert wird:

„Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber…“

Kannst Du dieser Aussage vertrauen, jemand habe nichts gegen Ausländer, wenn er den zweiten Teil des Satzes mit einem „aber“ beginnt?

Egal, was jetzt noch kommt, ich kann mich des Eindrucks kaum erwehren, dass der erste Teil der Aussage nicht stimmt, nicht der Wahrheit entspricht. Der zweite Teil scheint mir eher noch zu betonen, dass da sehr wohl und viele Vorbehalte, Vorurteile, Verurteilungen sind.

Woran liegt das?

Auch hier hat wieder Herr Aber seine Finger im Spiel. Mit fast explosiver Wirkung macht er alles zunichte, was zuvor gesagt wurde.

Alles gut und schön, aber

Oder, was glaubst Du hört jemand, was steht für ihn im Vordergrund , wenn Du z.B. zu ihm sagst:

„Du hast einen schönen Vortrag gehalten, aber er war etwas zu lang“. 

Wird er sich über das Kompliment des ersten Teils freuen können? Ich hab da so meine Zweifel.

Wie wird sich ein Kind fühlen, wenn zu ihm gesagt wird:

„Was Du da gemalt hast, gefällt mir sehr gut, aber jetzt ist es Zeit zum Mittagessen.“ ?

Cartonn einer zweifelnden Frau

Ein Aber lässt den Zuhörer zweifelnd zurück

Selbst wenn, wie in diesem Beispiel, der Satz nach dem „aber“, überhaupt nichts mit der Tätigkeit des Kindes zu tun hat. Selbst wenn der zweite Teil eine ziemlich wertneutrale Aussage darstellt:

Wird das Kind die Wertschätzung des ersten Teiles genießen können?
Oder wird der erste Halbsatz durch dieses kleine Wörtchen nicht zumindest herabgesetzt, wenn nicht gar dem Nicht-Gesagt-Sein preisgegeben?


Zumindest wird doch in dem Kind die mehr oder weniger leise Frage erwachen: Was hab ich falsch gemacht?

„Aber“ verhindert Gewaltfreie Kommunikation

Du kannst sogar in „perfekter“ GFK-Manier anhand der 4 Schritte einen Sachverhalt und Dein inneres Erleben dazu schildern. Mit einem „Aber“ machst Du so ziemlich alles zunichte.

Denn das

A b e r hat den gewaltfreien Charakter einer Faust aufs Auge Klick um zu Tweeten

„Was Du da grad zu mir gesagt hast, fand ich sehr schön und ich freue mich darüber, weil es mein Bedürfnis nach Verbindung erfüllt, aber ich fühle mich grad müde und hätte gern ein bißchen Ruhe. Verstehst Du das?“

Was ist mit dem Bedürfnis nach Verbindung?

Von jetzt auf nachher zählt es kaum noch was bis gar nichts mehr. Der Inhalt des zweiten Satzes schiebt sich durch das „aber“ total in den Vordergrund.

In all diesen Beispielen setzt „aber“ das zuvor gesagte außer Kraft, vermindert es oder verkehrt es ins Gegenteil. Ist der erste Teil vor dem Aber etwas Schönes, Positives, so kommt es trotzdem nicht zur Geltung, und Du wirst bei Deinem Zuhörer kaum Freude, vielleicht sogar Ärger bewirken.

„Aber“ macht Dir das Leben schwer

Das „funktioniert“ nun nicht nur in der Kommunikation mit anderen. Du kannst Dir mit einem „Aber“ auch Dein eigenes Leben schwer machen.

Stell Dir folgende Aussage vor, vielleicht sogar nur als Gedanke in Deinem Kopf:

„Es war ein wunderschöner Tag, aber jetzt muss ich noch was arbeiten“.

Kannst Du noch die ungetrübte Freude spüren über den erlebten Tag? Es dürfte Dir schwer fallen.

Durch das „Aber“ in Deinem Kopf oder in Deiner Aussage wird die Schönheit den Vorangegangenen gemindert bzw. völlig in den Hintergrund gedrängt. Die Freude über das Erlebte wird abgelöst durch das, was jetzt aber noch kommt. Ein solches „Aber“ kann uns ganz schön das Leben vermiesen.

„Aber“ vermittelt ein Gegenteil

All diese Beispiele zeigen, dass dieses kleine, unscheinbare Wörtchen „aber“ eine ziemlich explosive Zerstörungskraft besitzt. Es schränkt ein, es schmälert vorangegangene Aussagen und Erkenntnisse, manchmal setzt es sie ganz außer Kraft. Einfach weil es ein Wort ist, das das Gegenteil, die Gegensätzlichkeit betont.

Dies wird bei einigen deutschen Wörtern deutlich, bei denen durch den Zusatz von aber das ursprüngliche Wort in sein Gegenteil verkehrt wird, wie z.B. bei „Aberglaube“ oder „aberwitzig“.

Das „Aber“ beinhaltet auch immer eine Wertung, und zwar eine abwertende in dem Fall, dass die vorausgehende Aussage eine wertvolle war.

Streich „aber“ aus Deinem Wortschatz

Wenn Du also willst,

  • Dass das, was Du sagst, uneingeschränkt gehört wird

    Schil mit durchgestrichenem Aber

    Streich das Aber aus Deinem Leben

  • Dass Deine Wertschätzung einem Anderen gegenüber auch ankommt
  • Dass der Wert von dem, was Du an Schönem erleben darfst, Dich auch ganz erfüllen kann
  • Dass  Dein Zuhörer den Eindruck hat, dass seine Aussagen und Vorschläge gewürdigt werden
  • Dass Du nicht als Bedenkenträger, Verhinderer oder „schlechter Ingenieur“ erscheinst

dann ist es sehr hilfreich, das „Aber“ durch eine andere Formulierung zu ersetzen.

Eine neue Formulierung

Leider ist das gar nicht so einfach, da dieses Wörtchen sehr fest in unserem Sprachgebrauch verankert ist  und wir es sehr oft unbewusst verwenden.

Der erste Schritt wird also sein, Dir erst mal bewusst zu machen, welche Wirkung ein solches Aber hat und zu bemerken, wann Du es gebrauchst.

Und dann such nach neuen Formulierungen. Diejenige, die sich für mich am besten bewährt hat, ist das Ersetzen des Aber durch „und“.

Denn das „Und“ betont die Gleichwertigkeit, die „Gleich-Gültigkeit“. Die wert-mindernde Wertung des Aber wird umgewandelt in eine wertfreie Feststellung.

Um diese Gleichwertigkeit zu betonen ist es auch hilfreich, das „Und“ noch durch ein „Gleichzeitig“ zu ergänzen.

Schild mit und und durchgestrichenem Aber

Sag und statt aber

Die praktische Umwandlung

Du kannst das mit all den angeführten Beispielen durchspielen:

  • Wie hört oder fühlt es sich an, wenn jemand ständig sagt „Ja, aber…“ im Vergleich zu „Ja, der Vorschlag gefällt mir. Und hast Du auch eine Lösung für…“?
  •  Vergleiche „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber ich habe Bedenken wegen…“ Mit „Ich habe nichts gegen Ausländer und gleichzeitig habe ich Bedenken wegen…“
  •  „Das hast Du schön gemacht. Und jetzt ist Zeit zum Mittagessen.
  • „Was Du grad gesagt hast, fand ich sehr schön… und gleichzeitig fühle ich mich grad müde…“  statt „…aber ich fühle mich grad müde…“ (wo man in Gedanken fast ergänzen möchte: „…zu müde, um Dir zuzuhören“)
  • „Das war heute ein schöner Tag und jetzt wartet noch etwas Arbeit auf mich“.

Kannst Du den Unterschied spüren? Der wesentliche ist der: Das „Und“ nimmt der vorangegangenen Aussage nichts weg, es schränkt sie nicht ein.

Das erhöht die Chance ungemein, dass beide Teile einer Aussage gehört und gewürdigt werden.

Du siehst es ist gar nicht so schwer, den Giftpfeil „Aber“ zu entschärfen. Du musst nur dran denken.

Und dann ersetze das Aber durch ein „Und“ oder „Und gleichzeitig“ und schon wird Deine Kommunikation verbindender.

Hast Du diese Erfahrung auch schon gemacht? Oder welche hast Du mit „Aber“ oder vielleicht gebrauchst Du ja auch schon das „Und“.

Erzähl uns im Kommentar von Deinen Erfahrungen.

Peter

8 Gedanken zu „Giftpfeile der Kommunikation: „Aber“

  1. Ich arbeite seit ca. 3 Jahren daran und so langsam gelingt es mir, auf „aber“ komplett zu verzichten. Das feiere ich, denn vorher war ich ein „ja,aber..“-Mensch. Wie anstrengend! Ein Beispiel aus meinem beruflichen Alltag: In meinem Job als Tagesmutter erlebe ich zum Beispiel oft, dass Kinder sich morgens nicht trennen wollen. Ich erlebe immer wieder, wie dagegen andiskutiert wird: „aber Mama kommt doch wieder!“, „aber Papa muss doch arbeiten!“. Resultat: schon kleinste Kinder wehren sich dagegen, dass ihnen jemand erklären will, ihre Gefühle oder Reaktionen seien „falsch“. Mit „aber“ eskaliert die Situation regelmäßig. Ich sage schlicht „und“: „ich glaube, du bist traurig, weil Du heute bei Mama/Papa bleiben willst UND die müssen gehen. Das frustriert Dich, oder?“ Resultat: Kind lässt Eltern los und nickt. Das die Eltern gehen müssen, wissen sie doch, das muss ihnen niemand erklären. Sie wollen, dass man ihren Schmerz darüber sieht.
    Ich empfinde mein Leben jetzt als reicher, weil ich in Kommunikationen mehr Verbindung herstellen kann.

    Im Englischsprachigen gibt es den Ausdruck: „don’t put your but(t) in my face!“ Das beschreibt es meiner Meinung nach sehr treffend: ich will dein(en) „A….ber“ nicht in meinem Gesicht 🙂

    1. Vielen Dank liebe Ulla für diesen wunderschönen Kommentar. Mir ist beim Lesen richtig das Herz aufgegangen vor Freude darüber, wie es möglich ist, durch eine kleine Änderung im Sprachgebrauch eine so wunderschöne Änderung im Leben zu bewirken. Ich bin sehr berührt. Danke.
      Lieben Gruß, Peter

      P.S. Der Spruch von Kelly Bryson mit dem but(t) ist klasse 🙂

  2. Lieber Peter
    Danke für dieses ausführliche genaue ausführen von ABER in die Verwandlung zum UND echt super
    von herzen gegrüsst carola

    1. Liebe Carola, vielen Dank für Deine Wertschätzung. Ich freue mich sehr darüber. Auch über die Tatsache, dass Dir der Bericht gefällt.
      Liebe Grüße Dir, Peter

  3. Hi zusammen 🙂
    Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die beiden Sätze zu trennen. „Heute war ein schöner Tag. Jetzt mache ich mich an die Arbeit.“ Das hilft mir, beides als getrennt zu sehen.

    Schließlich hilft mir die Trennung der beiden Sätze im Gespräch mit anderen, die dann nicht statt dem „und“ ein aber hören 🙂

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